Wir leben im Osten von München. Dort, wo der Wind frisch weht und die Natur vor der Tür beginnt. Freitag, 19.9.2008 feiert Bayerns Metropole den Umwelttag. Auch die Messestadt, die stolz ist auf die Umsetzung ökologischer Kriterien in ihrem Quartier, trägt einiges dazu bei. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Dokumentarfilme für die „Lange Nacht der Umwelt“.
Gegen 20:45 Uhr läuft im Kulturzentrum unser Film „Musik für den Otorongo“, der auf dem Internationalen Dokumentarfilm-Festival München sowie in 3SAT gezeigt wurde. Es ist das Porträt des peruanischen Umweltschützers Huayqui Oceano (Bild), der sich mit Hilfe seiner Musik gegen Drogendealer und Ölkonzerne zur Wehr setzt.
Huayqui Oceano liebt das Leben in seiner peruanischen Heimat. Ein asketisch lebender Indio, der seine aus England stammende Frau Naomi umhegt, seine drei Kinder Inti, Kiya und Qori und die wilde Natur in seiner Nachbarschaft. Seine Heimat, das ist das Provinzstädtchen Moyobamba im Quellbecken des Amazonas.
Es ist ein Gebiet, das von den trockenen Ebenen am Pazifik durch die Anden getrennt ist. Hier ist die Vegetation üppig, das Klima feuchtwarm, das Quellwasser von Erdwärme aufgeheizt. Und obwohl Moyobamba so abgelegen ist, dass sich nur gelegentlich Geländewagen auf den staubigen Pisten bis hierher durchschlagen, ist diese pralle Natur gefährdet – durch Öl-Prospektoren der großen Mineralölkonzerne, durch wilde Brandrodung peruanischer Campesinos und durch illegale Pelzjäger. Vor allem die wenigen noch vorhandenen Jaguare sind vom Aussterben bedroht.
Huayqui entlockt einem Dutzend Instrumente Töne, die wild sein können oder unheimlich, einfühlsam oder herb. Seine musikalischen Quellen liegen in der traditionellen Musik Perus. Und doch haben seine selbst komponierten und arrangierten Stücke nichts gemein mit dem bekannten Panflöten-Klischee.
Dieser Mann verwirklicht sich einen Traum. Er hat sein Leben ganz der Natur gewidmet. Auch sein musikalisches Talent setzt er dabei ein. So hat er Platten aufgenommen, deren Erlös dem Otorongo Holistic Ecology Centre zu Gute kommen – eine kleine NGO zur Rettung des Otorongo, des Jaguars, ein Symboltier der untergegangenen Inka-Kultur. Huayquis Ziel ist ein Natur-Reservat, in dem die Wildkatzen zusammen mit vielen anderen Tierarten ungestört leben können. „Our vision and mission are to work inspiring in the local population the respect for the Forest and thus the appropriate and sustainable use of the natural resources.“ In einem Land, das gegen Hunger und Armut, Kriminalität und Ausbeutung kämpft, ist Huayquis Vision ein sehr hoch gestecktes Ziel.
Details haben wir auf dieser Website veröffentlicht: http://agdok.de/home/stenzelfilm/OtorongoNeu.html
Außerdem wird der französische Dokumentarfilm „Microcosmos“ von Claude Nurisdany und Marie Perennou zu sehen sein mit atembaraubenden Aufnahmen von heimischen Feldern und Wiesen. Er erhielt 1966 beim Filmfestival von Locarno auf der Piazza den Publikumspreis. Bertram Verhaag steuert seinen „Bauer mit den Regenwürmern“ bei.
Die Messestadt Riem ist ein wunderbarer Fleck zum Leben. Viele Kinder wachsen hier auf, pro Kopf mehr als in der übrigen Stadt. Junge Familien beschäftigen sich mehr mit sich selbst als mit ihrer Umwelt. Trotzdem hoffen wir, dass die Umweltnacht ein Erfolg wird und viele Bürger auch aus dem übrigen München aus ihren Häusern lockt.